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Elsass
 

Von Col zu Col im Kurvenrausch

Elsass, damit verbinden wir eine grüne, hügelige Landschaft mit dichten Wäldern und tiefen Tälern, Ritterburgen und alte Ortschaften mit idyllischen Gassen und schmuck herausgeputzten Fachwerkhäusern, französische Lebensart und kulinarische Köstlichkeiten wie Flammekuchen, Munsterkäse und eine breite Palette hervorragender Weine. Ja das ist das Elsass, aber darüber hinaus bietet es noch viel mehr! Wussten Sie, lieber Leser, dass das Elsass ein ausgesprochenes Motorradfahrerparadies ist? In kaum einer Region findet man eine derartige Aneinanderreihung von Cols. Kurvenrausch und Fahrspaß pur!

Start in La Petite Pierre Am "Rocher de Dabo"

Diese Region wollen wir nun auch mal kennen lernen, diesmal aber nicht auf eigene Faust, sondern mit einer kleinen Gruppe unter der Leitung eines fachkundigen Tourguides. Mitte Juni geht es los und wir machen uns auf Richtung Westen. Bei Rastatt bringt uns auf schnellem und unkompliziertem Weg eine Rheinfähre über die Grenze von Deutschland nach Frankreich, dann sind es noch einige Kilometer durch die Rheinebene und schon befinden wir uns im Herzen des Nationalparks Nordvogesen. La Petite Pierre; ein hübscher, befestigter Ort, spektakulär auf der Anhöhe gelegen und beherrscht von der Burgruine Lützelstein, ist unser Tagesziel und Treffpunkt der Gruppe. Wir werden schon erwartet! Unser Tourguide Wolfgang empfängt uns am Parkplatz des Hotels Lion d´Or und macht uns mit den anderen Reiseteilnehmern bekannt. Ein netter geselliger Abend erwartet uns und die erste Kostprobe elsässischer Kochkunst und erlesener Weine.

Ausblick vpm "Rocher de Dabo" Kloster Mont St. Odile

Nachdem sich unser Anreisetag etwas feucht gestaltete, erwartet uns am nächsten Morgen strahlender Sonnenschein und so brechen wir nach einem ausgiebigen Frühstück Richtung Süden auf. Klarer blauer Himmel liegt über uns, in den Tälern werden die letzten Nebelschwaden von der Sonne verdrängt. Unser Tourguide Wolfgang vorneweg, fahren wir auf schönen gleichmäßigen Kurven durch die waldreiche Landschaft der Nordvogesen, wie wir später feststellen werden, nur ein kleiner Vorgeschmack auf das Kurvenparadies Elsass. Erster spektakulärer Halt ist der "Rocher de Dabo", ein Bergkegel nahe der Kleinstadt Dabo, der eine überwältigende Rundsicht auf die hügelige Landschaft der Nordvogesen bis hin zur flach auslaufenden Rheinebene bietet. Und das nächste Highlight erwartet uns nur kurze Zeit später nach äusserst reizvoller Auffahrt zum berühmten Mont St. Odile, dem "Heiligen Berg des Elsass". Die Schutzpatronin des Elsass, die Hl. Odilia, hat hier im Jahr 700 ein Kloster gegründet. Im Laufe der Jahrhunderte entstand ein gewaltiger Klosterkomplex mit Kirche, Kapellen, Pilgersälen und Herbergen. Auch landschaftlich ist die Anlage beeindruckend gelegen und lockt Jahr für Jahr unzählige Touristen und Pilger an. Nichtsdestotrotz, einen Besuch ist sie Wert, den der Ausblick über das Rheintal mit seinen Weinbergen und Winzerstädtchen bis hin nach Deutschland ist unvergesslich.

Kurze Stärkung anschließend in einem dieser alten Städtchen, in Obernai: Umgeben von historischen Fachwerkhäusern genießen wir köstlichen Flammekuchen und "quiche Lorraine", würzigen Speckkuchen, bevor wir uns endgültig aufmachen ins Zentrum des Motorradfahrerparadieses Elsass. Nun stehen die Vogesen-Kammstraßen auf dem Programm, Pässe wie le Hohwald, Col du Kreuzweg (768m) und Col de la Charbonnière (960m), Col de Steige, Col d´Urbeis und Col de Fouchy (608m). Den Pass hoch, die Höhenstraße entlang und wieder hinab ins Tal, so geht es immer wieder Kurve an Kurve auf gut ausgebauten Asphaltstraßen zu. Wir sind erstaunt über den relativ schwachen Verkehr und können uns so richtig austoben. Nur auf den Cols selbst, die zugleich Kreuzungen mehrerer Passstraßen sind, begegnen uns größere Ansammlungen von Motorrad- und Radfahrern. Ab Sainte-Marie-aux-Mines beginnt offiziell die "Route des Crêtes", die 1915 als Militärstraße für die französischen Truppen konstruiert wurde. Die 70 km lange Straße verläuft auf über 1000 m Höhe zwischen Sainte-Marie-aux-Mines und dem südlichen Cernay. Auch hier wieder geht es in kurvenreicher, rasanter Fahrt über Col du Pré des Raves (1007m), den Col du Bonhomme (949m), Col du Louschbach, Col du Calvaire, Col de Wettstein (882m) und Hohrodberg bis wir schon etwas erschöpft, aber glücklich vom Kurvenrausch unseren Fahrtag in Munster beenden. Bei den ersten Bierchen am Abend lassen wir dann den Fahrtag entspannt Revue passieren. Besonders Michael, unser "Schnellster" mit seiner BMW R1150GS gerät so richtig ins Schwärmen, aber nicht weniger Bernd mit seiner Yamaha FZS 600 Faser und Dieter mit seiner alten BMW R100R.

In Obernai In Obernai

Die alte Stadt Münster ist Hauptort des Munstertales und Entstehungsort des aromatischen, auch als "Stinker-Käse" bekannten Münsterkäses. Der Weichkäse aus roher Kuhmilch soll hier in der Abtei erfunden worden sein und gab im 7. Jahrhundert dem Ort seinen Namen. Munster ist ein hübsches, altes Städtchen, auch bekannt als Ort der Störche. Zahlreiche Nester "zieren" die Dächer vieler Häuser und Kirchen - die Nistplätze der Störche werden gehegt und stehen unter Naturschutz. Wir bleiben in Munster drei Nächte und können uns so ohne Gepäck vergnügen und uns ganz dem Fahrspaß hingeben. Munster ist idealer Standort für Tagesrundfahrten, da zentral im Elsass gelegen und von den interessantesten Pässen wie beispielsweise dem Col de la Schlucht umgeben.

Auffahrt zum Col de la Schlucht Am Lac Noir

Col de la Schlucht, mit 1159m einer der höchsten Pässe und eine richtig perfekte Bergrennstrecke, nehmen wir an diesen Tagen immer wieder unter die Räder. Von Col zu Col hangeln wir uns dann über die nördliche "Route des Crêtes", über den Col du Calvaire zum Lac Noir, einem von steilen Bergwänden eingekesselten Stausee, und weiter über den Col de Wettstein und Collet du Linge. Le Linge ist ein Schlachtfeld des Ersten Weltkrieges auf 1000m Höhe. 1911 fanden hier verlustreiche Kämpfe zwischen Deutschen und Franzosen statt, die 17000 Todesopfer forderten. Man hat hier eine Gedenkstätte mit einem sehr informativen Museum eingerichtet. Das Schlachtfeld kann besichtigt, die ehemaligen Schützengräben können begangen werden und wir nehmen uns auch einige Zeit, dieses düstere Kapitel der elsässischen Geschichte vor unseren Augen aufleben zu lassen. Um sich nach diesem Besuch wieder freundlicheren Gedanken zu widmen, unternehmen wir anschließend einen Ausflug in die Rheinebene und zu den sehenswerten alten Ortschaften entlang der Weinstraße, "la route des vins" wie Ribeauville und Riquewihr. Kaum eine andere Stadt im Elsass hat ihr Erscheinungsbild - in diesem Falle jenes des 16. und 17. Jahrhunderts - so unverfälscht erhalten, wie das abseits der großen Straßen in einem Seitental gelegene Riquewihr. Schmucke herausgeputzte Fachwerkhäuser mit Giebelchen und farblichen Dekorationen zieren die Altstadtgassen. Auch Turckheim besticht durch seine Atmosphäre, durch die Geschlossenheit des gesamten Ensembles und das harmonische Zusammenspiel seiner Teile. Die alten Weinorte sind in jedem Reiseführer beschrieben und natürlich ziehen sie scharenweise Besucher an. Dennoch erleben wir sie durchaus nicht überlaufen und genießen unseren Besuch in entspannter Atmosphäre, natürlich auch bei einem café in einer der verkehrsberuhigten Altstadtgassen.

Nach soviel Kultur freut sich unsere Gruppe dann am nächsten Tag auf einen wieder ausgiebigen Fahrtag. Die südliche "Route des Crêtes", die Kammstraße, die den "Parc Naturel Régional des Ballons des Vosges" durchzieht, wird uns schon als Höhepunkt des Tages angekündigt - und wir werden nicht enttäuscht! Auch heute beginnt unser Ausflug mit der Fahrt über den Col de la Schlucht - so allmählich kennen wir die kurvenreiche Strecke und so schrauben wir uns immer harmonischer den Berg hoch, Wolfgang und der schnelle Michael vorneweg, die anderen Fahrer nicht minder zügig hinterher. Von Col de la Schlucht geht es zum le Hohneck, die mit 1381m zweithöchste Erhebung der Vogesen, und damit haben wir schon die legendäre Kammstraße erreicht. Ab hier reiht sich nun auf kurvenreicher Strecke ein Pass an den anderen, nie die 1000 Höhenmeter unterschreitend bis zum Ende der "Route des Crêtes" in Cernay. Wir passieren den Col du Herrenberg (1186m), Col du Hahnenbrunn (1180m), le Markstein und le Grand Ballon, den mit 1424m höchsten Gipfel des Elsass. Dann folgen Col Amic, Col du Silberloch und Col de Herrenfluh (835m). Die größte Begeisterung beschert uns die Höhenlage. Keine dichten Wälder versperren den Ausblick, die Strecke schlängelt sich an den Berghängen entlang, tiefe Täler erstrecken sich unter uns, dazwischen erblicken wir grüne Hochalmen und kleine Seen. Ein Paradies für Motorradfahrer - aber auch den Radlern hat es die Kammstraße angetan und ebenso für andere Freizeitsportler wie Gleitschirmflieger ist die Region das A & O. Ein Höhepunkt ist der le Grand Ballon mit seiner gigantischen Rundumsicht und natürlich Treffpunkt aller Ausflügler, die sich auf der sonnen beschienenen Terrasse eine kurze Rast gönnen. Den Rückweg treten wir über die westlich gelegene Talstraße ab Thann an, machen nochmals eine kurze Rast am See von Kruth und dann geht es wieder den Berg hoch zum le Markstein und über den Col du Platzerwasel (1183m) zurück nach Munster. An diesem Abend ist sich unsere Gruppe einig - dies war das absolute Highlight der gesamten Tour!

Bei Le Lignr, dem Schlachtfeld aus dem Ersten Weltkrieg Höhenstraße der südlichen "Route des Cretes"

Er kommt immer viel zu schnell der Rückfahrtstag. Leider ist es soweit und wir treten unsere Rückfahrt Richtung Norden an. Auch heute erwarten uns noch viele landschaftlich sehr schöne Strecken wie der Col du Surceneux (810m), Col de Mandray, Col de Sainte-Marie (884m), Col de Fouchy, Col de Steige (534m) und der Col de la Charbonnière (960m). Wieder geht es Kurve um Kurve die Berghänge hoch, die Talabfahrten hinab und nochmals kommen Hochgefühle in uns auf. In dem Winzerstädtchen Bernhardswiller nahe Straßburg in der Rheinebene kehren wir ein letztes Mal zu einem vorzüglichen gemeinsamen Mittagessen ein. Während unsere anderen Reiseteilnehmer ihr nächstes Ziel bei Saverne, die Burgruine Haut-Barr, auch "Auge des Elsass" genannt, ansteuern, um dann weiter nach La Petite Pierre zu fahren, trennen wir uns mittags von der Gruppe und treten unsere Heimfahrt über Straßburg und den Schwarzwald an. Am Abend dieses Tages wälzen wir nochmals unser Kartenmaterial über das Elsass und versuchen die unzähligen Pässe mit dem Finger auf der Landkarte nachzufahren. Es gäbe noch viele Cols, die wir nicht geschafft haben, so stellen wir fest. Doch wir werden es nachholen. Ganz sicher kommen wir wieder!

Text: Dr. Ingrid Gloc-Hofmann
Fotos: Helmut Hofmann und Dr. Ingrid Gloc-Hofmann

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