Die-Motorradreisen-Profis
Slowakei
 

DER CHARME DES EUROPÄISCHEN OSTENS

Die Slowakei, seit 1. Mai 2004, dem Datum ihres EU-Beitritts, liegt nun mitten in Europa. Und dennoch bleibt sie für uns ein fernes Land im Osten, ein Land, dessen geheimnisvolle Schönheiten zu entdecken sich allemal lohnt: das kleinste Hochgebirge der Welt, die unberührte Natur, eine reichhaltige Kultur, idyllische Dörfer, viel Ursprünglichkeit und Beschaulichkeit am Lande und natürlich die einsamen, noch unbegradigten Routen, die vor allem bei uns Motorradfahrern für ausgiebiges Fahrvergnügen sorgten.

An der Vaah Unterhalb der Hohen Tatra

Passkontrolle an der tschechisch-slowakischen Grenze inmitten der Weißen Karpaten: Die tschechischen Zöllner haben sehr korrekt unsere Personalien und die Kennzeichen unserer Motorräder aufgenommen. Nun stehen wir auf slowakischer Seite. Hier begnügen sich die Beamten mit einem kurzen Blick in unsere Pässe - die Ansammlung von Motorrädern aus dem Westen scheint ihre Aufmerksamkeit mehr in Anspruch zu nehmen. Unsere Motorrad-Reisegruppe ist die einzige "Kundschaft" an diesem kleinen Grenzübergang. Etwas verloren stehen wir zunächst da: keine Verkaufsbuden, keine Geldwechselstube weit und breit, kein Trubel wie wir ihn noch am deutsch-tschechischen Grenzübergang erlebt haben.

Nun dann mal los. Die Weißen Karpaten bildeten von je her die natürliche Grenze zwischen Tschechien und der Slowakei. Nach nur halbstündiger Fahrt quer über die einsame Landschaft dieses Mittelgebirges erreichen wir das breite Tal der Váh (Waag). Eine idyllische Route entlang dieses großen, in der Hohen Tatra entspringenden Flusses führt uns immer weiter in Richtung Osten. Nach Zilina lässt der ohnehin geringe Verkehr nochmals nach als wir in das Mittelgebirgsland Malá Fatra (Kleine Fatra) einfahren. Auf kleinen kurvigen Nebenstraßen geht es in den Nationalpark Vrátna-Tal, vorbei an bizarren Felsformationen, Schluchten und Dolinen. Kleine Berghütten, gänzlich aus Holz gebaut, laden zu einer kurzen Kaffeepause ein. Doch wir müssen weiter, möchten wir doch unser heutiges Tagesziel, die Hohe Tatra erreichen. Auf gut ausgebauten Landstraßen geht es vorbei an Ruzomberok und schließlich erheben sich vor unseren Augen, inmitten einer weiten Hochebene, majestätisch die Gipfel der Vysoké Tatry (Hohe Tatra).

Die Hohe Tatra ist das "kleinste Hochgebirge der Welt". Dies meint jedoch nicht die Höhe des Gebirgsstockes - die Gerlachspitze ist mit 2655 m der höchste Berg der Tatra -, sondern deren Ausdehnung: nur 26 km lang in Ost-West- und 17 km breit in Nord-Süd-Richtung sind dies bemerkenswert winzige Ausmaße für ein ganzes Gebirge. Mit ihren grandiosen Gipfeln, den Seilbahnen und Sesselliften ist die Hohe Tatra das größte traditionelle Tourismusgebiet der Slowakei. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckten betuchte Reisende die Gebirgslandschaft als Erholungsgebiet und schließlich wurden 1871 die Eisenbahnlinie und die ersten Hotels und Kurhäuser gebaut. Noch heute sind die verspielt dekorierten und aufwendig gestalteten Kurhotels in Betrieb und unvermindert verströmen sie den Charme der Jahrhundertwende. Wir quartieren uns in einem dieser wunderschönen Hotels ein, aussen ist es mit originalen Holzschnitzereien verziert, jedoch aufwendig restauriert und innen auf modernsten Stand gebracht.

Privat gef[hrtes, sch;n restauriertes Hotel in der Hohen Tatra In den Pieninnen

Am nächsten Tag starten wir, um die Hohe und die nahe gelegene Niedere Tatra zu erkunden, ein Gebiet, welches von urwüchsiger, waldreicher Landschaft dominiert ist, wie wir sie in Europa nur noch selten finden. Durch tiefe Wälder führt die "Tatramagistrale" entlang des Gebirgsstockes. Die ungewöhnlich gut asphaltierte Straße mit weiten, gleichmäßigen Kurven macht uns richtig gute Laune, so dass wir beschwingt im höchsten anfahrbaren Ort namens Strbské Pleso (Tschirmer See) auf 1335 m ankommen. Das meistbesuchte aller "Meeraugen" der Hohen Tatra ist umgeben von eleganten Land- und Kaffeehäusern. Anlässlich der Skiweltmeisterschaft 1970 wurden große Hotels und eine Skisprungschanze gebaut, welche das ansonsten grandiose Panorama auf die höchsten Berggipfel beherrscht.

Am heutigen Tag der touristischen Attraktionen nehmen wir auch noch die Nízké Tatry (Niedere Tatra) in Angriff. Ganz anders als die Hohe Tatra ist dieses Urgesteinsgebirge flächenmäßig größer, ihre Gipfel ragen jedoch nicht weit über 2000 m hinauf. Dafür gibt es hier einige schöne Passstraßen mit vielen Kurven und Spitzkehren wie jene, die zum "sedlo Certovica" auf 1232 m hinaufführt und hier oben eine wunderbare Aussicht auf die bewaldeten Gipfel bietet. Etwas weiter westlich führt ein langgezogenes, schmales Tal in die Niedere Tatra und damit in ihr Herzstück der weltbekannten Höhlensysteme. Wir besichtigen die Demänovská Eisgrotte, die in den unteren Etagen voll faszinierender Eisgebilde ist: Bodeneis, Eissäulen, Stalaktiten und Stalagmiten.

An einem unserer nächsten Tagesausflüge, nur wenige Kilometer östlich und abseits dieser Touristenzentren erleben wir wieder in eine ganz andere Atmosphäre, Ruhe und Beschaulichkeit. Die Belianske Tatry (Weiße Tatra) sind die östlichen Ausläufer der Hohen Tatra, gelegen an der slowakisch-polnischen Grenze, die ungefähr so stark belebt ist wie jener Grenzübergang in den Weißen Karpaten. Kaum ein Mensch scheint sich hierher zu verirren, nur einige Besucher der kleinen, von Goralen bewohnten Ortschaft Zdiar, welche sich durch die typischen, komplett aus Holz erbauten Blockhäuser mit hübschem Ornamentschmuck auszeichnet. Von hier unternehmen wir einen Abstecher in den kleinen, aber landschaftlich sehr attraktiven Pieninen-Nationalpark. Die holperige Landstraße führt uns an Wiesen und kleinen Feldern vorbei, an denen Bauern noch nach altertümlichen Methoden ihre Äcker bestellen. Der einfache Holzpflug wird von einem Ackergaul gezogen, gesät wird noch mit der Hand. Natürlich erregt unsere Motorradgruppe großes Aufsehen; begeistert winken uns Groß und Klein zu.

Das Bemerkenswerte an den Pieninen ist der Fluss Dunajec, der sich durch ein eindrucksvolles Engtal zwängt, das von Kalksteinwänden flankiert wird. Der Dunajec bildet die natürliche Grenze zwischen der Slowakei und Polen. Die Goralen bringen hier ihre Flöße zu Wasser, eine Attraktion auch für Touristen. Weiter geht dann die Fahrt durch kleine Dörfer mit alten, aber liebevoll hergerichteten Häusern und Blumenbeeten im Vorgarten. Hier sitzen noch die alten Mütterchen vor ihrer Haustür und jeder Vorbeifahrende wird freundlich registriert. Eine etwas holperige und kurvenreiche Ruckelstraße führt über den östlichen Kamm der Belianske Tatry bis zur Hochebene von Poprad, wo uns dann die Hohe Tatra mit ihrem grandiosen Panorama aufs Neue begrüßt.

Die Tatramagistrale nahe Stribske Pleso Die Zipser Burg - ein imposantes Bauwerk

Östlich der Hohen Tatra liegt das Zipser Land inmitten einer hügeligen Landschaft. Bereits im 12. Jahrhundert siedelten sich hier deutschstämmige Sachsen an und verhalfen der Gegend zu wirtschaftlichem Aufschwung. Einige dieser Zipser Handelsstädte sind hervorragend erhalten und aufwendig restauriert, so beispielsweise Kezmarok (Käsmark) mit seinen Bürgerhäusern oder Levoca (Leutschau), die ehemalige Hauptstadt des Zipser Bundes, mit ihrem beeindruckenden Rathaus im Renaissancestil. Dominierend und weithin sichtbar thront die Zipser Burg auf einem kalksteinartigen Tufffelsen. Sie gilt als eine der größten Befestigungsanlagen Europas und war vom 12. bis zum 18. Jahrhundert Verwaltungssitz der Zips, bis 1780 ein schwerer Brand die Anlage verwüstete.

Eine Rundfahrt im Nordosten der Slowakei bringt uns schließlich in die entlegendsten Winkel. Die Fahrt dorthin führt zunächst über die Zipser Hochebene, dann auf kurvenreicher, von qualmenden Lastwägen überfüllter Passstrecke und durch die hübsch renovierte Provinzstadt Presov (Preschau) in die sanft hügeligen, von Wiesen und Wäldern dominierten Nízke Beskydy (Niedere Beskyden). Nur 80 Kilometer trennen uns noch von der ukrainischen Grenze im Osten. In dieser gottverlassenen Abgeschiedenheit befindet sich das Dorf Miková, aus dem die Familie des bekannten amerikanischen Pop-Art-Künstlers Andy Warhol stammt. Kurz vor seinem Tod 1987 vermachte er seinem Heimatdorf 18 originale Serigraphien, die nun zusammen mit persönlichen Erinnerungsstücken und weiteren Werken im Kulturzentrum von Medzilaborce ausgestellt sind. Ungemein stolz sind die Einheimischen auf ihren berühmten Sohn und pflegen entsprechend "ihr" Warhol-Museum, die einzige Sehenswürdigkeit in dem eher trostlosen Medzilaborce.

Die äusserst idyllische Gegend rund um Miková wird von Ruthenen, russisch-orthodoxen Siedlern aus der Ukraine, bewohnt. So begegnet man hier nicht nur zweisprachigen Beschriftungen in lateinischer und kyrillischer Schrift, sondern auch zahlreichen orthodoxen Kirchen. Diese herausragenden Baudenkmäler sind vollständig aus Holz und ohne jeden Stein und Ziegel errichtet. Die meisten dieser türmchenbewehrten Konstruktionen stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Das Kircheninnere ist prächtig geschmückt mit aufwendigen Schnitzereien, farbenfrohen Heiligenfiguren und Bildnissen. Die Holzkirchen sind in der Regel verschlossen, gelingt es aber in diesen menschenverlassenen Dörfern den zuständigen Hausmeister zu finden, so wird man mit einer freundlichen Führung belohnt.

Für unsere Rückfahrt wählen wir die Strecke vorbei am Dukla-Pass an der slowakisch-polnischen Grenze, im Zweiten Weltkrieg Ort harter Kämpfe zwischen tschechoslowakischen und deutschen Truppen, bis zur alten Handelsstadt Bardejov. Deren mauerbewehrte, kürzlich renovierte Altstadt mit dem großartigen Marktplatz lädt zu einer Kaffeepause ein, sind wir doch wieder in der "zivilisierten", mit den Annehmlichkeiten von Kaffeehäusern ausgestatteten Gegend angelangt. Die letzte Teilstrecke bis zur Hohen Tatra bietet dann noch einige Highlights auf. Die gut ausgebaute Landstraße führt auf kurvenreicher Strecke entlang des Flusses Poprad, durch zahlreiche kleine Ortschaften mit den typischen Holzbauernhäusern. Immer wieder beobachten wir Storchennester auf hohen Schlöten und so fahren wir der nun allmählich untergehenden Sonne entgegen bis vor uns wieder die dunklen Umrisse der Hohen Tatra auftauchen.

In Medcilaborce  - ganz  im Osten Mittagsrast in einer Chata - einfach und urgem[tlich

Östlich der Hohen Tatra liegt das Zipser Land inmitten einer hügeligen Landschaft. Bereits im 12. Jahrhundert siedelten sich hier deutschstämmige Sachsen an und verhalfen der Gegend zu wirtschaftlichem Aufschwung. Einige dieser Zipser Handelsstädte sind hervorragend erhalten und aufwendig restauriert, so beispielsweise Kezmarok (Käsmark) mit seinen Bürgerhäusern oder Levoca (Leutschau), die ehemalige Hauptstadt des Zipser Bundes, mit ihrem beeindruckenden Rathaus im Renaissancestil. Dominierend und weithin sichtbar thront die Zipser Burg auf einem kalksteinartigen Tufffelsen. Sie gilt als eine der größten Befestigungsanlagen Europas und war vom 12. bis zum 18. Jahrhundert Verwaltungssitz der Zips, bis 1780 ein schwerer Brand die Anlage verwüstete.

Eine Rundfahrt im Nordosten der Slowakei bringt uns schließlich in die entlegendsten Winkel. Die Fahrt dorthin führt zunächst über die Zipser Hochebene, dann auf kurvenreicher, von qualmenden Lastwägen überfüllter Passstrecke und durch die hübsch renovierte Provinzstadt Presov (Preschau) in die sanft hügeligen, von Wiesen und Wäldern dominierten Nízke Beskydy (Niedere Beskyden). Nur 80 Kilometer trennen uns noch von der ukrainischen Grenze im Osten. In dieser gottverlassenen Abgeschiedenheit befindet sich das Dorf Miková, aus dem die Familie des bekannten amerikanischen Pop-Art-Künstlers Andy Warhol stammt. Kurz vor seinem Tod 1987 vermachte er seinem Heimatdorf 18 originale Serigraphien, die nun zusammen mit persönlichen Erinnerungsstücken und weiteren Werken im Kulturzentrum von Medzilaborce ausgestellt sind. Ungemein stolz sind die Einheimischen auf ihren berühmten Sohn und pflegen entsprechend "ihr" Warhol-Museum, die einzige Sehenswürdigkeit in dem eher trostlosen Medzilaborce.

Die äusserst idyllische Gegend rund um Miková wird von Ruthenen, russisch-orthodoxen Siedlern aus der Ukraine, bewohnt. So begegnet man hier nicht nur zweisprachigen Beschriftungen in lateinischer und kyrillischer Schrift, sondern auch zahlreichen orthodoxen Kirchen. Diese herausragenden Baudenkmäler sind vollständig aus Holz und ohne jeden Stein und Ziegel errichtet. Die meisten dieser türmchenbewehrten Konstruktionen stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Das Kircheninnere ist prächtig geschmückt mit aufwendigen Schnitzereien, farbenfrohen Heiligenfiguren und Bildnissen. Die Holzkirchen sind in der Regel verschlossen, gelingt es aber in diesen menschenverlassenen Dörfern den zuständigen Hausmeister zu finden, so wird man mit einer freundlichen Führung belohnt.

Für unsere Rückfahrt wählen wir die Strecke vorbei am Dukla-Pass an der slowakisch-polnischen Grenze, im Zweiten Weltkrieg Ort harter Kämpfe zwischen tschechoslowakischen und deutschen Truppen, bis zur alten Handelsstadt Bardejov. Deren mauerbewehrte, kürzlich renovierte Altstadt mit dem großartigen Marktplatz lädt zu einer Kaffeepause ein, sind wir doch wieder in der "zivilisierten", mit den Annehmlichkeiten von Kaffeehäusern ausgestatteten Gegend angelangt. Die letzte Teilstrecke bis zur Hohen Tatra bietet dann noch einige Highlights auf. Die gut ausgebaute Landstraße führt auf kurvenreicher Strecke entlang des Flusses Poprad, durch zahlreiche kleine Ortschaften mit den typischen Holzbauernhäusern. Immer wieder beobachten wir Storchennester auf hohen Schlöten und so fahren wir der nun allmählich untergehenden Sonne entgegen bis vor uns wieder die dunklen Umrisse der Hohen Tatra auftauchen.
Banksa Stavnica - die Jugend jubelt uns zu Pferdegespann in Detva

Text: Dr. Ingrid Gloc-Hofmann
Fotos: Helmut Hofmann und Dr. Ingrid Gloc-Hofmann


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Hier kommen Sie zur Homepage der Zeitschrift Motorradfreizeit Der Reisebericht von uns ist in der Ausgabe 03/2005 der Zeitschrift Motorradfreizeit erschienen. Durch Anklicken des Buttons kommen Sie auf die Homepage von Motorradfreizeit.

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